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Mit Recycling-Baustoffen gegen den Kiesflächen-Fraß

Mit Recycling-Baustoffen gegen den Kiesflächen-Fraß

Unsere aktuellen Neuigkeiten

Mit Recycling-Baustoffen gegen den Kiesflächen-Fraß

Sowohl der Gemeinderat der Stadt Bad Saulgau wie auch die Verbandsversammlung Wasserversorgung Hundsrücken haben in diesem Frühjahr eine wichtige Grundsatzentscheidung gefällt. Zukünftig soll die Lieferung von Baustoffgemischen, Gesteinskörnungen und Böden für Baumaßnahmen produktneutral ausgeschrieben werden müssen. Stadt und Wasserversorger wollen künftig verstärkt aus Bauschutt recycelte Baustoffe bei Baumaßnahmen einsetzen. Damit wollen Stadt und Wasserversorger ein Zeichen für rohstoffschonendes Bauen setzen. Ein Bild über die Möglichkeiten machte sich eine Gruppe aus Bad Saulgau beim Besuch der Firma Feess in Kirchheim unter Teck.

Eine Gruppe aus Bad Saulgau besuchte das K3-Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft der Firma Heinrich Feeß GmbH & Co. KG in Kirchheim unter Teck. „Mit dem konsequenten Rückbau, der Herstellung von Recycling-Baustoffen und der Wiederverwendung solcher Baustoffe könnte auf die Ausweisung von manchen Flächen für den Kiesabbau verzichtet werden“, macht Johannes Übelhör nach dem Besuch der Anlage deutlich. Selbst mitgereiste Bauunternehmen seien von der Qualität der in Kirchheim gewonnen Baustoffe überrascht gewesen, so Übelhör im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Zur Gruppe gehörten neben Bürgermeisterin Doris Schröter auch in Ihrer Funktion als Verbandsvorsitzende des Zweckverbands Hundsrücken, Bürgermeister Currle aus Guggenhausen und Unterwaldhausen, Vertreter des Stadtrates, der Stadtverwaltung, Ingenieurbüros und Bauunternehmen.

Vertreter von Stadtverwaltung und Wasserversorgungsverband Hundsrücken mt Bürgermeisterin Doris Schröter (rechts) und dem technischen Leiter der Stadtwerke Bad Saulgau, Johannes Übelhör (Zweiter von links), informieren sich in Kirchheim/Teck über hochwertiges Baustoff-Recycling.

Bei künftigen Vergaben für Baumaßnahmen soll reycelten Baustoffen der Vorzug gegeben werden. Voraussetzung ist, dass die Stoffe nach einem Qualititätssicherungssystem mit Güteüberwachung hergestellt sind und das Lieferwerk einer staatlich zugelassenen Gütegemeinschaft angehört. Dies unter der Bedingung, dass diese für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sind, die technischen Lieferbedingungen und die vergaberechtlichen Bedingungen erfüllen und dadurch die Wirtschaftlichkeit gewährleistet bleibt.

Laut Aussage von Walter Feeß, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens und Umweltpreisträger 2016, fallen in den nächsten 50 Jahren rund 20 Milliarden Tonnen alter Baumaterialien durch Gebäudeabrisse an. Derzeit sind es jährlich etwa 200 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle in Deutschland, davon 60-65 Millionen Tonnen Bauschutt, die größtenteils auf der Deponie landen. Nach entsprechender Aufbereitung könnten davon ca. 90 Prozent wieder verwendet werden. Dies betrifft insbesondere auch das Thema Gleisschotter. Treffend dazu die Kernaussage von Herrn Feeß: „Wer Klimaschutz und Ressourcenschonung will, braucht mehr nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Man muss es nur wollen.“

Der Vortrag machte deutlich, wie ökologisch und ökonomisch sinnvoll diese Art der Kreislaufwirtschaft ist, wenn sie vor Ort stattfindet. Kurze Wege sparen viel Kohlendioxid. Allein in Baden-Württemberg wäre bei ortsnaher Aufbereitung und Wiederverwendung Einsparungen von über 75.000 Tonnen Kohlendioxid und 25 Millionen Kilometer von Lastwagen im Jahr möglich. RC-Baustoffe sind in der Regel günstiger und der natürliche Abbau wird geschont. Die Firma Feess hat 40 Qualitätsrecyclingbaustoffe im Angebot, über verschiedene Körnungsgrößen, Gleisschotter, Splitt und Frostschutzmaterial bis hin zu Zuschlagsstoffen für R-Beton, Sand etc.

Trotz des Erlasses des Landes Baden-Württemberg von 2004 zur Berücksichtigung von Recyclingstoffen bei der Vergabe von Bauleistungen liegt der Einsatz von recyceltem Material immer noch erst bei 10 Prozent, wo 15 oder 20 Prozent längst möglich wären. Auch bemängelt Feeß, dass es von der Lehre immer noch versäumt wird, diese Möglichkeiten zu bewerben.

Quelle: Schwäbische Zeitung, 09.06.2021

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